Hatte eine Katze, die auf einem Auge blind war, kannte sie aus unserem Garten.
Mit seiner Frau ging er stets Händchen haltend die kleine Gasse entlang über die kleine Brücke in den Ort
Ovales Gesicht, Brille und Hörgerät hinter sehr großen Ohren verborgen
stets ein freundliches Wort oder eine Plastikblume für den schmucklosen Kübel der Nachbarn mit dem kleinen Kind
Die Nachbarn verbringen drei Monate im Jahr in dieser Gasse, davon allein sechs Wochen im Sommer
Die Frau müht sich, jedes Jahr aufs Neue, Blumen zu setzen.
doch wenn sie weg sind, kacken die Katzen in den Kübel, drücken die Männer ihre Kippen aus im Blumenkübel
mégots sind die Kippen
mégots jetés, forêts brûlés.
Leuchtende Hinweise über unseren Köpfen auf der Autobahn
es ist heiß. Und trocken. Und es gibt Waldbrände im ganzen Land.
dieses Jahr Bordeaux, letztes Jahr Carcassonne. Schlagworte für hunderte Hektar
Wir warten auf den Regen, nicht die épisodes cévenoles,
Und bekommen ein paar Minuten Schnürlregen, Getöse am Berg, man nennt ihn den Wasserberg, MontAigoual. Ironie off.
Du bekommst drei Scheiben Schinken und ein Baguette
am Tag nach dem Tod deiner Frau.
Die Lautstärke in der Boucherie gedämpft, als du – man muss weiter machen – am nächsten Tag einkaufen gehst.
Ich stehe neben dir als du bestellst
du erkennst mich nicht
du, erster in der Gasse, der mich Fremde , immer grüßte
bist versunken
du würdest es nicht so benennen, dafür bist du zu diszipliniert, aber es ist eine catastrophe
das Hochwasser von vor sechs Jahren war eine catastrophe.
Wir sitzen drei Jahre später in deinem Garten, trinken gemütlich das algige Wasser aus dem Fluss .
Wasser pumpen, das ist üblich hier, pour l’arroser le potage, il faut de l’eau – Blick zum Himmel (heute hast du die Leitung verwechselt)
des bonbonset une Coca für unseren Sohn, hören wir von den Schildkröten, die damals aus dem Garten von den Wassermassen mitgerissen wurden. Cest la vie.
Sie wurden durch Neue ersetzt und laben sich an Salatblättern in ihrem offenen Gehege, umgeben von englischen Rasen und runden Pool und Oleander.
eine Ehre, diesen gepflegten Garten sehen zu dürfen. Ausländer wir.
Du bist gastfreundlich zu uns und geselliges Element in der rue, stehst oft tratschend mit deinen Freunden aus der Gasse in der Kurve vor der Brücke.
Der Elektriker, der Nachbar und du. Im Süden scheint es uns, gibt es keine Nacht, nur Leben.
Wir begegnen uns auf der Straße und du erzählst dass deine Gefährtin nicht mehr ist. C’est la vie, sagst du, mais vous êtes encore jeunes.
4 Tage Meer und Pinienwald. Abzüglich 7 Stunden Autofahrt . Mal 2. nur 1 Stunde Stau. Das war gut. Ja, weil die Deutschen schon da waren als ihr ankamt. 2 Wochen haben die. Die Franzosen übrigens auch. Ihre Ostern sind 2 Wochen lange Frühlingsferien. Am meisten Ferien haben die Ungarn. 10 Wochen im Sommer . Nur wir basteln mit unseren Fenstertagen herum , damit wir irgendwie ins Erholen kommen.
die Amsel ist so laut um 4 Uhr 40.neben dir der beruhigende Schlafatem des Mannes. Es erinnert dich an das flache Meer, das du am Tag abgelaufen bist. Im Pinienwald neben dem Strand erkennt Merlin aus Cornell, die Application, nicht der Zauberer, die Amsel. Du wusstest es schon zuvor. Es ist immer die Amsel, die einen aufweckt. Da ist noch ein Geräusch, wie das Rauschen der Brise, die die Wellen an den Strand schiebt. Du öffnest das Fenster und beobachtest mit den Ohren. Es dämmert . Du erkennst den Rasensprenger. 20Minuten von 4:40 bis 5:00 Früh werden die Heckenpflanzen besprengt. Es lauert eine große Gefahr für die treuen Sichtschutzwahrer, dass Hecken von unten aus, verkahlen. Da kann man dann gar nichts machen. Aber Sichtschutz , Abgrenzung, Intimität ist das wichtigste für Maxi.Maxi Mare, so unser Mobile home , stolze 31 Quadrameter groß, mit allem Notwendigsten Pi-Pa-Po ausgestattet.
Im Pinienwald, deren Bäume über die kleinen Behausungen hinausragen, ist eine saubere Hecke das Wichtigste. Und die Anordnung. Du siehst die Kanten der anderen Container, aber du siehst nie rein. Rollo, Moskitonetz, weißer Vorhang mit Blume bestickt, blauer Vorhang Polyester. Du hörst ihre Stimmen bei Tageslicht, Aber du siehst sie nicht. Nicht wenn du in Ruhe und im Versuch, dich und die gesamte Familie versucht es, zu entspannen, vor deinem Eigenheim sitzt. Du hast 4 Tage geschenkt bekommen.
Daran denke ich, während ich den Vogeln lausche, im Container liegend, im Pinienwald.
4 Tage , macht 96 Stunden, minus Autofahrt 14 Stunden, macht 82 Stunden, minus 2 Stunden Stau, 80 Stunden, minus 7 Stunden Schlaf pro Tag, mal 4,macht 52 Stunden. Plus 2 , wenn man irgendwie ausschlafen konnte. 54 Stunden. Minus Packen und sauber machen, macht 2 Stunden mal 2, macht 50 Stunden.der Parkplatz im Pinienresort ist 20 Sekunden entfernt. Reserviert.nur wir dürfen hier stehen. Luxus. Kein Verbotenes -machen alle kurz auf dem Gehsteig stellen- zum Ausladen, die schiefen Blicke der Passanten aushalten, sich Floskeln im Kopf zurecht legen für den Parksheriff. In den Hauseingang einladen, hinauf ins Stiegenhaus bringen, den Lift rufen, hinein laden , hinauf fahren, ausladen . Hoffen , dass niemand eingebrochen hat, alles aus dem Lift ins Stiegenhaus, den Lift frei machen , hinein schleppen. Die stickige Luft wahrnehmen, Fenster lüften. Aufs Klo gehen. Hände waschen. Ausräumen. Essen machen. Das Kind anhalten sich bald zum Schlafen gehen fertig zu machen, es wiederholen, wiederholen bis es irgendwann ankommt. Ich diskutiere nicht mit dir!
Kurz blitzt es noch mal auf das das Meer. wie der Muschel Mischmasch unter den Füßen scharf und massierend sich in die Haut reibt. Nicht sehr fest, aber gerade grob genug, dass ich den Unterschied merke. Der weiche , nasse Sand darunter, der unter meinem Gewicht nachgibt. Ich gehe und gehe. Endlos und weit, und die Wellen rauschen und wechseln sich ab, ziehen hinein und ziehen hinaus. Sie machen das die ganze Zeit. Ich kann sie nicht festhalten, an einem dünnen Bindfaden zurück ziehen. Selbst wenn ich das wollte. Die machen ihr Ding, tosend, rauschend, ich lasse mich in sie hineinfallen und gleite mit ihnen mit.
5 Uhr 41, die Amsel hat ihren Gesang beendet, weil jetzt gleich die Sonne aufgehen wird. Wem gilt eigentlich dieser Weckruf? Mir nicht, ich habe noch 25 Stunden. Seufze, damit der Schlaf mich übermannt, im Pinienwald.
in der Nacht aufwachen, von einem körperlichen Schmerz, den man nicht spüren sollte. Aber so geschah es, und eine Zeit lang liegt man also hellwach neben seinem Mann, der schnarchend von all dem nichts mitbekommt. Die ersten morbiden Gedanken tauchen auf ( wahrscheinlich zu viele Messen in den letzten Tagen, in denen man sich so ruhig verhalten musste. ) Amen! Ich sehe mich in meinem Geist so oft laut dazwischen rufen! Doch, Herr, ich bin aber würdig, komm bloß nicht in mein Haus.
Wie gerne würde die Nonne in mir, Jesus so innig lieben können, weil es nichts Größeres gibt. Und gleichwohl denke ich mir, in diesem Leben bin ich nicht die Nonne und der Bischof ist nicht Bischof, sondern mein Mann, und wir dürfen in dieser Zeit hier in Frieden leben. Und finden die heiligen Momente in anderen Momenten außerhalb der Kirche. Das schreibe ich dem Leben, falls ich eine Nonne im Mittelalter war, die für ihre ketzerischen Gedanken wahrscheinlich bestraft worden wäre. Mit ziemlicher Sicherheit. Also beides. Die Nonne und meine aufrührerischen Gedanken.
Nachtgedanken rasen im stickigen Schlafzimmer und als ich endlich aufstehe, mit meinem Schreibheft, rauschen sie hier im stillen Wohnzimmer in die Welt.
eine herrliche, luxeriöse Stunde, weil ich wach bin und die Anderen schlafen. Ich kann singen und muss mich dafür nicht im Wald verstecken. Wie schön!
Ich sitze in drei Decken gehüllt, denn die Heizung schaltet sich erst in der Früh ein, und schreibe alle Gedanken, die ich vorher im Bett hatte aufs Papier. Es fängt an mit der Grabrede, verwandelt sich zu einem Fest in einer aufgelassenen Fabrik. Um die zufällig eine schöne verwilderte Wiese und ein paar Obstbäume existieren. Rsvp. dresscode bequem, bring your Schlafsack. Und jemand spielt ein Instrument und wir tanzen und lachen und schließlich liegen wir in unseren Schlafsäcken um ein Lagerfeuer und erzählen uns alles, was wir uns immer schon sagen wollten und auch das, was uns immer in Erinnerung bleiben wird. Am Anfang ist es eine Show und ein paar Zeilen weiter der Film, den ich nie erzählt habe. Es beginnt mit der Bühne, auf die ich mich vor meinem Abtritt endlich zu stellen wage, aber am Schluss sind es intime Gespräche mit den liebsten Freunden und Familie. Wir reden und lachen und weinen und genießen die Anwesenheit, die uns jetzt so kostbar erscheint, und die im Alltag so oft untergeht. Bis in den Morgengrauen. Wir lauschen andächtig den ersten Geräuschen der erwachenden Natur, die Amsellaute, lassen das Licht über uns hell ins Gesicht schimmern. Und schlafen ein. Glücklich erschöpft. Irgendwann zwei Stunden später wachen wir auf, es ist frisch, der Boden kalt und hart und ich gehe mit meinem Schlafsack zum Auto, um auf dem zurückgeklappten Sitz zu schlafen. In der Wiese vor der Fabrik doch Sofas aufstellen ? Wieviele werden es sein ?
Es geht um die Erzählungen, die man noch mit der Welt teilen möchte. Die Phantasien, die man nicht gelebt hat. Die Wertschätzung für all die erfahrene Fürsorge und Liebe im Leben.
So werden aus grübelnden Nachtgedanken Ausblicke.
Die Nonne, die ich nicht bin, steht vom Sofa auf und geht zurück ins Bett zu dem Mann, der in diesem Leben ein Dichter ist. Wann traut er sich es allen zu verkünden? Wann traut sie sich ihr Leben so phantastisch wie im Film zu leben?
der Morgen graut
ein tüchtiger Jäger führt seinen Schoßhund aus, den seine Kinder nach der Freundin von Donald benannt haben. Die mit der rosa Schleife. Und den Hund seiner Schwiegereltern. Familienmensch durch und durch. Da sind wir uns ähnlich. Fast. Das Fast ist eine andere Geschichte. Der Schnee unter den bloßen Füßen fühlt sich schön an. Für ein paar Minuten beobachte ich das Treiben. Die Stille die war, ist nur mehr in der weiten Schneefläche gespeichert. Der eine ruft nach dem Hund, der über die Wiese fetzt, die Hausmeisterin aus Wien ruft noch im Pyjama stehend Guten Morgen. Die Rufe begegnen sich nicht und verhallen unerhört. Der Vater einen Stock darunter, der an Schlaflosigkeit leidet, hat sein Hörgerät noch nicht eingesetzt.
68 Tage ist es her, seitdem Du gegangen bist. Meine liebe 68 Revoluzzerin. Dein Geburtsjahr.
An diesem Donnerstagmorgen in Wien, gehe ich los. Schritte, um meiner Unruhe etwas entgegen zu setzen. Ich gehe los, gehe in deine Richtung. Wie ich so oft dich in deiner Wohnung besuchen ging, als Du noch in Wien wohntest, als Du noch da warst. Als Du noch in meinem Leben warst. Wir unsere Leben miteinander teilten.
Gestern Nachmittag, bekam ich einen Anruf, ich stand gerade vor dem Basketball-Käfig, in dem die Kinder aus der Nachbarschaft Fußball spielten. Kreischen und Quieken in hohen Stimmlagen. „Wie geht es eigentlich deiner Freundin in Frankreich?“ , sagte meine Bekannte. Es fühlte sich schon sehr lange her an, als ich mich sagen hörte, „oh, sie ist vor Weihnachten gestorben.“ Ich sagte es ganz ruhig, ohne Emotion, mein Gegenüber, ein Frau, die dieses Jahr 80 Jahre alt wird, sagte, voller Mitgefühl, aber auch sehr ruhig, es tue ihr sehr leid. Und dass es für sie besser war, eine Erleichterung.“ Ich sehe das Spitalszimmer vor mir, den ewigen Nieselregen in Rennes, die Möwen, die die Stadt mit ihren Schreien durchziehen. Ja, eh. Was soll man dazu sagen. Wir redeten über den Tod, der auf uns alle in unserem Leben zu kommt. Sie erzählte von einer Freundin, mit der sie mehrmals die Woche joggen geht, um fit zu bleiben, und die auch starb. Und wie nah der Tod dann an einen rückt. Ich sage, dass einzig Gute war, dass wir uns seit ihrer Krankheit so oft gesehen haben, wie die letzten zehn Jahre vorher nicht. Wir reden über den Wert von Freundschaft, die guten Freunde im Leben, die man längere Zeit nicht sieht, und wenn man sie sieht, ist es als wäre keine Zeit vergangen. Ja, so war es mit Dir.
Am Mittwoch Nachmittag war ich ruhig und abgeklärt.
Über Nacht braute sich in mir was zusammen, ein Konvolut an Emotionen. Unruhe, Unverständnis, Ratlosigkeit, Wut, Trauer, Schuldgefühl.
Der Donnerstag Morgen also, ich gehe in den 15.Bezirk von Wien und statte deiner früheren Wohnung in der Karmeliterhofgasse einen Besuch ab.
Ich stehe mehrere Minuten vor deinem Haus. Du würdest dich wundern. Du hast in den über 10 Jahren nach deinem Umzug nach Frankreich, nie mehr in dieser Gegend vorbei geschaut. „Warum auch? Geh, Sophie, das ist vorbei. Ist nicht mehr wichtig!“ Du warst kein sentimentaler Typ. Anders als ich.
Du warst pragmatisch und analytisch. Du konntest wunderbar denken. Die Dinge behirnen, bis du es ganz durchschaut hattest. Wunderbar uns durch deine Fragen auch in eine Klarheit führen. Ich vermisse diese Einsichten so sehr. Unsere Gespräche.
Du bekamst diese Wohnung von einem Onkel vererbt. Er war Pfarrer in Wien. Und er kaufte diese Wohnung ursprünglich für eine Freundin. Ihr war sie zu klein. Und dann bekamst du sie. Du pflegtest diese Wohnung. Sie war eine Perle in diesem großen, etwas heruntergekommenen Haus. Hier gibt es noch Klos am Gang, und das Stiegenhaus roch meistens feucht und schmutzig und nach kaltem Rauch. Und manchmal konnte man deuten, wenn dein Nachbar am Klo gewesen war. Der Nachbar, den ich nie gesehen habe, nur gehört. Seinen Fernseher, wenn er telefonierte und sein Husten. Er war ein starker Raucher.
Betrat man deine Wohnung, fühlte es sich sofort warm und geborgen an. Auf deinem großen orangenen Teppich war immer etwas vorbereitet. Bratkartoffel und Oliven. Datteln vielleicht. Der Klang starker Frauenstimmen erfüllte den Raum. Du warst eine Musikliebhaberin und -Kennerin, du bist viel gereist und du verehrtest starke Frauen. Am Nachmittag lenkte ich mich ab und ging in eine Buchhandlung. Plötzlich war da eine warme Stimme. Rhythmisch, tief, mich umarmend. Lhasa de Sela „De cara a la pared“ – Mit dem Gesicht zur Wand. Es war wie ein Gruß von Dir. Es fängt an mit:
Llorando De cara a la pared Se apaga la ciudad Llorando Y no hay màs Muero quizas Adonde estàs?
Weinend Mit dem Gesicht zur Wand erlischt die Stadt Weinend und es gibt nichts mehr ich sterbe vielleicht wo bist du?
Wir hatten dieses Lied gemeinsam gehört. Du warst eine andächtige Hörerin.
La LLorona, die Weinende. Ist eine mythische Figur in Mexico. Sie soll als weiße Frau an Flüssen Menschen erscheinen, und deren Tod ankünden. Der Erzählung nach, sei es der Geist einer Frau, die ihre ertrunkenen Kinder in dem Fluss sucht, und nicht finden kann. (Aus Verzweiflung vor ihrem gewalttätigen Mann, flüchtete sie mit ihren Kindern in die Fluten). Ihr Erscheinen soll bevorstehende Tode ankünden.
Gruselgeschichte zu Ende.
Es fühlt sich komisch an, dass Du nicht mehr da bist. Als wären wir zusammen auf eine Reise gegangen und du hättest einfach auf halben Weg umgedreht, mir nichts dir nichts, von heute auf morgen. (So war es nicht). Ich und vielleicht andere deiner Freundinnen auch, wollten es nicht wahr haben. Ich erinnere mich, ich schrieb dir zwei Monate vor deinem Tod, bis zum letzten Atemzug habe ich Hoffnung. Hoffnung auf Heilung.
Was ist wenn es gar nicht um Heilung geht, sondern um Erfahrung. Um Teilen dieser Erfahrung, einander beistehen und begleiten. Na gut, das haben wir. Dafür danke ich Dir. Und jetzt?
Im Buchgeschäft kaufte ich einen Reiseführer über Hawaii. Haleakala! Ich schlage die Seite mit dem Foto des Haleakala – Vulkans auf. Ich lese Mondlandschaft. Brodeln im Untergrund.
Panoramic view of colorful Haleakala volcano in Maui from summit (c) Adobe Stock pictures/ mdlart
Nicht besonders groß, von Läusen befallen inmitten des Betons der Großstadt, bist du trotzdem etwas Besonderes. Mein Hingucker!
Wenn ich bemerke, fast wie nebenbei, in der Hektik des Alltags und Berufserfordernissen. ( Aus der Entfernung der innere Kritiker, der weggesperrt , zu mir haucht, was faselst du, du tust doch nichts. Wenn ich ihn wahrhaben würde. Bleibe wo du bist.) Wenn ich bemerke, dass der untere Rücken sich meldet, der Brustbereich sich eng und heiß anfühlt, die Schilddrüse feuert und der Kopf hinter Nebel verschwindet und mit ihm die Konzentration, die Klarheit, die Zielgerichtete Ausrichtung.
Ich nehme es wahr und halte inne, während ich über den Gang eile und öffne das Fenster und erblicke dich.
So einfach und so schön und so komplex! Drei in einem. Und für einen Moment gelingt es mir zu atmen. Tiefer als bis zum Zwerchfell.
Wenn jeder Mensch diesen Halt für sich erfahren dürfte. Ach, wäre unsere Welt anders? Erster Gedanke.
Und zweiter Gedanke. Oder braucht jeder Mensch ein gegenüber um sein Glück oder was er will, zu teilen ? Und hat er das nicht, hat er nur das schöne Schauen, bleibt er dann gluxjzlsigbind = glückselig, dreht sich um und ist einsam in der Welt?
Wenn du betest, weil du glaubst, an Gott, aber er bleibt für dich immer im Himmel und du bist unten, armer, schwacher Mensch. Der erlöst werden darf, mit Gottes Gnade, aber du dich nicht bereit, berechtigt dazu fühlst, weil irgendwie alle dir von kleinauf dich ihre Überlegenheit haben spüren lassen, und dir nie auf Augenhöhe begegnet sind und vielleicht in anderen oder gleichen? Momenten, warst du behütet, an der Hand, dein Kopf getätschelt, so dass du dich nie aufrichten konntest, aus eigenen, freien Stücken und Wille.
Dein Wille geschehe, weil mein Wille nicht zählt.
Seitdem ich dem lieben Gott, der mir als Kind beigebracht würde, erweitert habe um Ebenen, Charakterzüge, und nicht nur da oben weilt, sondern auch in der Natur spürbar ist, bin ich entspannter.
Und das ist doch schon viel.
Ich schreibe das für einen Menschen, der betet, betet, betet und trotzdem kreuzunglücklich ist, und dafür habe ich viel Mitgefühl. Für seine Einsamkeit.
Und gleichzeitig so geborgen von meiner Familie, in ihrem Kreis und auch, den Aktivitäten, die uns als Familiengruppe ausweiten lassen.
Während die alten Kreise schwimmen und sich auflösen oder drohen unterzugehen. Haltlos, rastlos, in einem Strudel von Nicht- geliebt fühlen und nicht gesehen werden in ihrem Schmerz. Beziehungsweise auch wir, die anderen, die noch nicht die Mittel gefunden haben, die Schmerzen unseres Gegenübers auszuhalten ohne nicht selbst verletzt zu werden.
Als es sich plötzlich vertraut anfühlt unter meinen Füßen
Da liegst du also
Dachte ich es mir doch !
Nichts das gefunden wird, ist achtlos weggeworfen seinem Schicksal überlassen geblieben
Hast dich kaum verändert, kaum
Natürlich. Der Zahn der Zeit, er nagt an uns allen.
Natürlich. Kann ich mich noch bücken , und wieder aufstehen, geht alles, braucht nur seine Zeit.
Du schimmerst noch immer.
Grün wie der See.
Der tiefe See.
Möchte man in der Erde oder im Nass begraben sein ? Was mögen die Knochen lieber ?
Stein, machst mein Herz warm, wirst Mal meinen Enkeln eine Freude sein, wenn wir hier nicht mehr weilen. Irgendwo im nirgendwo.
Das soll nicht traurig klingen, nur herausfordernd der Moment. und der Weg durch das Nadelöhr. Dahinter oder darin bahnt sich die Seele ihre Freiheit. springen, sich fallenlassen und gehen ins Licht. Nicht abweichen , nicht ausweichen, hängenbleiben an Schmerz und Enttäuschung.
Es ist eine Kunst zu sterben,
Wie es Mut braucht, um ganz zu leben. Alles von sich zu geben.
die die Zeit stoppt und während du nichts anderes am Handy machst, dir als Belohnung einen Baum, der dann so ausschaut : 🌲 , pflanzt.
Irgendwie, ich weiß noch nicht wie, wird dann daraus, muss ich dafür zahlen ? , echte Bäume . Irgendwo.
„Forest“.
so heißt sie unaufgeregt.
Und beruhigt meine Gedanken, die die Vorstellung mögen, dass ich Bäume pflanzen kann, wahrend ich Excel- Listen beacker.
***“““
Die letzten Wochen hatte ich eine Schreib und noch andere Blockaden.
Langsam wühle ich mich raus. Schreibe 10 Zeilen,
so mein neuer Task, an mich,
sie werden meistens mehr als 10
damit ich wenigstens weiß , erahne,
wie es mir geht, in echt, während ich lebe und arbeite und aufstehe,
meine Lieben umarme oder sanft die Wange, das Haar, die Ohren streichle, schließlich noch ein letzter Witz oder grummeln, ein verbindender Händedruck, anhaltend, schlafen gehe.
Monika war auf allen Vieren, ihr schönes, hellgelbes seidenschimmerndes Kostüm, schien in einem schönen Kontrast zu den violetten Glyzinien, die das metallene Geländer des Balkon streiften und und das ganze Steinhaus in einem südlichen Flair tauchten, eine Leichtigkeit und Genuss am Leben, mit dem das Hotel am See geworben hatte.
Sie war nicht überrascht gewesen, dass er ihr diese Reise vorgeschlagen hatte, sie hätte nur gedacht, dass es weiter in den Süden gehen würde. Sie wusste, dass er wusste, dass sie beide ein Auszeit brauchten. Sich anschweigen und der graue Nebel der Stadt, das war keine gute Begleitung durch den Winter. Sie redeten nicht mehr als in ihrer Stadt, aber sie spürten doch die Aufregung die mit der Ortsveränderung einher ging, die leisen Seufzer der Bewunderung für den gelungenen touristische Moment und die damit einher gehende Entspannung, die sich in kleinen Wellen direkt auf das Gegenüber übertrug.
Eine weiße Haarsträhne fiel ihr ins Gesicht, sie streifte sie hinters Ohr. Es war kein jugendliches Gesicht mehr, aber doch weniger von Falten durchzogen als eine Frau ihres Alters. Sie war vor kurzem sechzig geworden. Ihre groben Hände tasteten über die Holzplanken. „Bitte nicht in eine Ritze hinein, bitte nicht!“ dachte sie. Sie konnte nur hoffen, dass ihre schöne, weiße Strumpfhose nicht zerriss. Sie hatte sie extra für diese Reise besorgt. Wie sie überhaupt nur die schönen Stücke eingepackt hatte. Eine Frau von Welt auf Reisen, so wollte sie erscheinen, umgarnen. Und jetzt das, das wertvolle Stück! Sie wusste genau wo in Konstanz sie zu welchem Juwelier gehen konnte, um es prüfen zu lassen. Sie war nicht darauf vorbereitet gewesen, dass er sich so schnell für sie entschließen würde. Und plötzlich war er so gut gelaunt, statt depressiv, und hatte ihr gleich am zweiten Tag einen Antrag gemacht. Der sehr schöne Ring mit dem Rubin und Diamanten, sie wusste, dass sie nicht die erste Frau war, der er am Finger gesteckt war, aber manchmal muss man nehmen, was man kriegen kann.
Ein bisschen viel Spiel war ihm auch aufgefallen, wo ihm sonst nicht so viel an ihr auffällt, außer es passt zu seinen Erzählungen. Ihre glatten, weißen Haare passten wunderbar zu dem schneebedeckten Gipfel des Fuji-san. Das freute sie sehr, wenn er ihr das sagte, und dabei ihr Haar andächtig streichelte. Japan war ein Ort, den Ulrich schätzte. Das hatte er mehrmals erwähnt, besonders die ästhetisch angelegten Parkanlagen und Nihonga Malerei, als auch das washi-Papier verehrte er. Auch wenn sie keine echte Japanerin war, hatte sie doch lange genug dort gelebt, um das zurückhaltende Wesen der über die Brücke eilenden Geishas zu studieren. Ihre Mutter hatte sie immer in den Arm gekniffen „Schau genau hin. Lerne! Aber werde nicht wie sie!“ Das Dienen als Überleben, ja, aber schließlich gab es noch ein anderes, ein eigenes Leben. Ihre Werkstätte zum Beispiel. Sie dachte daran, dass Zeng für nächste Woche einen Besuch angesagt hatte. Sie würde den Ring nie dort tragen, nicht vor ihren Kunden. Wenn sie ihn fand. Ihr blieben noch fünf Tage Zeit.
Für alle, die gerne Schreibanregungen haben, die Schriftstellerin und Creative Writing -Trainerin Julie Duffy https://storyaday.org/julie-duffy/ bietet im aktuellen Monat Mai den ganzen Monat tägliche, kostenlose Tipps fürs eigene Schreiben aus ihrer Schreib-Praxis und der von anderen AutorInnen. Die e-mails sind kurz und auf englisch. Ich finde es ganz witzig, und mir persönlich hilft es, Geschichten zu starten, die aus einer anderen Perspektive geschrieben werden oder Ansätze verwenden, die man intuitiv für sein Schreiben nicht wählen würde. Hier der link – wer will, wer mag, wer hat noch nicht.
Wer Schreibanregungen aus dem deutschen Sprachraum hat, gerne unten im Kommentar posten! Ich freue mich!
Wie alt muss man werden, bis man aufhört Anerkennung zu suchen? Durch interessante Betätigungsfelder, originelle Berufe oder witzige Texte? Wobei wäre jede Form der Einordnung eine Interpretation von außen. Und hier stellt sich die Frage, wie sehr orientiere ich mich an dem, was mein Umfeld von mir erwartet?
Wahrscheinlich ist alles, was man im Außen sucht, eine Suche nach etwas, das dieses emotionale Loch stopft, das Verdurste! Langeweile! Lieb mich doch und Sieh mich an! schreit. Ein passender Kork oder Deckel, damit wir uns halten können.
Es ist doch gut, nach etwas zu streben, wir können ja nicht alle in Seelenruhe in Höhlen oder heute Häusern sitzen, ohne Anstrengung, ohne aufeinander zu treffen, ohne Auseinandersetzung und Miteinander schaffen und erleben. Das Streben, das Suchen, vielleicht auch das Lernen und Verstehen wollen, es ist doch gut, dass es uns voran treibt, Neues entdecken lässt, aber es sollte nicht aus einem Mangel heraus erfolgen, sonst wird jede Lösung nur von kurzer Dauer sein. [Willkommen zur Küchenpsychologie-Stunde mit ihrem Host Sophie. Sophie, sagen Sie unseren Lesern und LeserInnen, wie der Hase läuft! Warum sind wir denn wirklich alle so unglücklich? „Ja, wussten Sie das nicht? Es ist der Mangel!“] Weil der Mangel, das Loch im Bauch [bemerken Sie dieses Ziehen, wenn Sie etwas ganz stark wollen, liebe Leser?], das doch immer nach „mehr, mehr“ schreit.
Wie wäre es mit einfach im Moment sein, so eine große Phrase und so schwierig, diese Momente zu Zeiträumen in meinem Leben zu machen! Wann gelingt mir das? Beim Yoga, während dem Schreiben, im Betrachten oder Spielen mit meinem Sohn, im Buddeln in der Erde, in der Fotojagd am Boden kriechend beim Insekten beobachten. Aber kann man mit all diesen Momenten Geld verdienen? Es gibt Leute, die werden bezahlt, für was sie lieben. Ich hatte auch eine Reihe interessanter bezahlter Arbeiten, und bin meistens über die Umstände und Bedingungen der Arbeiten gestolpert. Was, sie will nicht die drei Birken fällen für den Blockbuster Science Fiction Film? – aber wir zeigen die verödete Erde im Jahr 2100! Der Regisseur dachte sich vielleicht, ich sei mir zu gut dafür, aber ich teilte einfach seinen „Für meinen Film muss alles erlaubt sein“- sehr selbstbewussten Ansatz nicht. Für sein Selbstbewusstsein habe ich ihn bewundert, aber wenn ich mich entscheiden müsste, zwischen Natur oder Kunst, würde ich Natur wählen.
Nach Beendigung meiner (nie durchgestarteten) Karriere beim Film, meinen Hungerjobs in der Kulturbranche, die aber so spannend waren, mich bewegten, ich will es gar nicht leugnen, tarne ich mich mit einem grünen Netz in der Wissenschaft, gaukle vor, ich arbeite etwas Sinnvolles, die Welt bereicherndes und begnüge, vergnüge mich mit zehn Minuten schreiben täglich auf dem Blog und höre mir an was da so kommt. Obwohl ich seit wahrscheinlich 39 Jahren Geschichten schreibe, die meisten ohne Ende, kann ich mich nicht auf ein Thema – DAS Thema festlegen oder konnte es nicht. Etwas, was so viel Material erfordert, dass man länger darüber schreiben könnte. (Anthropozän verzeih!) Ich habe mehrere Theorien dazu, warum das so ist.
vielleicht ist das Schreiben für mich weniger eine Form des Erzählens und Mitteilens, sondern meine Art, meine Gedanken zu ordnen, Stück für Stück wie Fritatten aus der Suppe auf den Löffel geschaufelt werden, von dem sie wieder runterrutschen und ich beobachte das ganze Spiel.
vielleicht bin ich eine Kurz-Schreiberin! Kurze Texte und Formate.
oder – hier kommt wieder die Anfangs-Vermutung, der Schmerz der mit Anerkennung verbunden ist, weil sie ausbleiben könnte oder uns das Urteil nicht gefallen könnte, vielleicht habe ich mich bislang noch nicht auf ein Thema eingelassen, weil es etwas sein könnte, das mir wichtig ist und nahe am Herzen liegt. Das hat zu tun mit Persönliches teilen und Sichtbar sein, verletzlich dann eben auch.
Wobei halt! Es gibt da doch den so wichtigen Arbeitsschritt eines jeden Autors, der sich „überarbeiten“ nennt, und dabei könnte man noch entscheiden, was drinnen bleiben darf und was aus dem Text raus muss. Fair enough…
Und schließlich ist das, wovor wir uns fürchten, oft nicht das, wie Leser und Leserinnen unsere Texte wahrnehmen werden. Wir sind zum Glück alle verschieden. Während ich mir also gerade Mut zuschreibe, dass selbst wenn, ich in die Tiefe und Länge gehen würde, es vielleicht spannend und anregend und aufregend zu entdecken wäre, denke ich mir, habe ja noch ein Jahr. Alles easy cheesey. [Geht es hier um geschmolzenen Käse oder Mascarpone?]
Abschlussbild statt Abschlusswort. Nicht grad ein Insekt, aber auch heiß verehrt.